Tiroler Tageszeitung

16 11 2004

AUSTRIA (AUT)

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Wer daher heute Mittelalterliches wieder erwecken will, muss sich erst einen eigenen Musizierstil erarbeiten. Die fünf Herren von Al Qantarah stützen sich dabei nicht bloß auf die Ergebnisse trockener musikhistorischer Forschung, sondern lassen sich von der arabischen, persischen und sizilianischen volksmusikalischen Tradition inspirieren.

Herausgekommen ist dabei ein durchaus lebendiges Musizieren, bei dem aber über die fremdartigen Klänge der Instrumente mit klingenden Namen hinaus vor allem die in sich ruhende Intensität verzauberte

Dafür zogen die Musiker das Publikum trancehaft mit rhythmisch fließender Gleichförmigkeit in ihren Bann

 

 

Mittelalterliche Popmusik
AbendMusic–Lebensmusik im Canisianum mit sizilianischen Klängen

 

 

Das Ensemble Al Qantarah begeisterte am Sonntag-abend in der restlos ausverkauften Aula des Innsbrucker Canisianums mit mittelalterlicher Musik.

INNSBRUCK. Mit dem Abend des namhaften Spezialensembles Al Qantarah erschloss die von Peter Waldner programmierte beliebte Konzertreihe AbendMusic–Lebensmusik Klänge aus Sizilien vom zweiten bis zum 15. Jahrhundert. Aus den alten Handschriften geht allerdings nicht hervor, wie die Musik einst geklungen hat.

Wer daher heute Mittelalterliches wieder erwecken will, muss sich erst einen eigenen Musizierstil erarbeiten. Die fünf Herren von Al Qantarah stützen sich dabei nicht bloß auf die Ergebnisse trockener musikhistorischer Forschung, sondern lassen sich von der arabischen, persischen und sizilianischen volksmusikalischen Tradition inspirieren.

Herausgekommen ist dabei ein durchaus lebendiges Musizieren, bei dem aber über die fremdartigen Klänge der Instrumente mit klingenden Namen hinaus vor allem die in sich ruhende Intensität verzauberte: Wer sich ein mitreißendes musikantisches Feuer erwaret hatte, wurde wohl enttäuscht.

Dafür zogen die Musiker das Publikum trancehaft mit rhythmisch fließender Gleichförmigkeit in ihren Bann. Dadurch bekam die Musik Ausdruckstiefe. Wie als Kontrast zu der Musik späterer Epochen hoben Al Qantarah statt der melodischen Linien das Schlagwerk in den Vordergrund.

Fremdartig war dadurch das Melodische aus den Zwischentönen der trommelnden und schellenden Klängen herauszulauschen. Mit Schwung, aber nie drängend ließen sich die Musiker die nötige Zeit, um die Klangfarben in der Aula sich entfalten zu lassen.

Armin Berger