Mitteldeutsche Zeitung

03 07 2002

GERMANIA (GER)

 

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Die Musiker von "Al Qantarah" aus Sizilien überraschten mit einer außergewöhnlichen Entdeckung

 

 

Die Minnesänger unter Rosenblättern

Internationale Ensembles auf der Neuenburg

 

Die Pfeiler der Freyburger Stadtkirche waren mit Purpurbändern und Rosengirlanden geschmückt, die Efeukränze für die Künstler geflochten und die Lauten gestimmt - auch der 12. Jahrgang des Festivals "Montalbane" am Ufer der Unstrut beschränkte sich nicht auf historische Dokumentation mittelalterlicher Musik, sondern erweckte mittels ausgewählter internationaler Spitzenensembles die Musik der Minnesänger wieder zum Leben. In diesem Jahr konzentrierte sich das Programm dabei auf den Kulturaustausch des Mittelmeerraums von Marokko bis Sizilien.

In einigen Konzerten, wie dem des Stammgast-Ensembles "Iocualtores" begab man sich aber auch auf mystische Spuren. Praktischen Kulturaustausch repräsentierte gleich zur Eröffnung das multinationale "Sarband"-Ensemble, das mit der Mezzosopranistin Fadia El-Hage Lieder der sephardischen Juden erklingen ließ. Auch die Musiker von "Al Qantarah" aus Sizilien überraschten mit einer außergewöhnlichen Entdeckung, einem 800-Jahre alten Codex, dem "Troparium von Catania". Songs von der Insel. Diese geistlichen Gesänge verbanden die Musiker mit traditioneller Volksmusik von der Insel. In Werken wie dem "Dei Patris" steigerten sich die Musiker in einen Klangrausch, als die Trommeln auf den Händen zu tanzen begannen, die Oboe in Staccato-Linien brillierte und das Klappern der Kastagnetten jeden Zwischenraum ausfüllte. In gleicher Weise suchte das sardinische Vokalensemble "Tenore e cuncordu de Orosei" im Abschlusskonzert nach einer Brücke zwischen Überlieferung und lebendiger Volksmusik. Das Publikum feierte dieses Ensemble euphorisch wie kein zweites und zeigte sich tief beeindruckt von der unbekannten Tradition mitten in Europa.

Von Wölfen und Gärten.

Von einer ganz eigenen Anziehungskraft beim Festival erwiesen sich stets die meditativen Mitternachtskonzerte in der Doppelkapelle der Neuenburg. Dieses Jahr gastierte die charismatische schwedische Sängerin und Harfenistin Miriam Andersén mit einem nordischen Geisterliederprogramm. Während der Wind an der Kapellentür rüttelte, ließ die Sängerin ihre leuchtende Sopranstimme erklingen und erzählte in blutgetränkten Geschichten von auferstandenen Geliebten, grauen Wölfen und schwarzen Gärten. Ihre Experimentierfreude zeigte sich in einem abschließenden Gebet, das sie auf einem dreilöchrigen Kuhhorn begleitete. Das Montalbane-Festival erwies sich einmal mehr als ein Ort für musikalische Entdeckungen, wissenschaftlichen Austausch und für viele Besucher als ein Hort der Ruhe und des Entspannens.

Eckehard Pistrick