Leipziger Volkszeitung

04 07 2002

GERMANIA (GER)

 

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«Fabelhafte Musik der Amélie»
 

Das eine Festival ist vorbei, das andere beginnt heute. Doch die Events von Freyburg (montalbâne) und Rudolstadt (Tanz&FolkFest) haben eins gemeinsam: Sie gelten als lockere Familienrituale. Wer einmal da war, kommt wieder.

Besucher und Künstler des gerade gefeierten Festivals für mittelalterliche Musik montalbâne tauchten ein in eine Welt, die Lärm und Terminstress noch nicht kannte. Nicht nur in der Thematik, auch der Stimmung war die 12. Auflage etwas Besonderes: der Bogen zwischen anspruchsvollem Programm und ungezwungener Atmosphäre. Im Eröffnungskonzert zelebrierten Sarband das Miteinander von Orient und Okzident – ein Dialog verschiedener Kulturen. Der fand auch beim sizilianischen Ensemble Al Qantarah statt, das polyphone Musik des 13. Jahrhunderts bot.

Ebenfalls bemerkenswert: das Schweizer Ferrara Ensemble mit Musik vom Burgundischen Hof des 15. Jahrhunderts und der Auftritt der Ioculatores (Veranstalter). Es bleibt also dabei: montalbâne - ein Festival, das bewusst die Nische sucht, lebt vom musischnachkonzertanten Miteinander bis tief in die Nacht auf der Burg. Und dem gemeinsamen Empfinden, das jeder zulässt, wenn er sich auf die Reise zu Klängen früherer Zeiten macht.

Auch beim größten deutschen Folkfest in Rudolstadt herrscht ein besonderes Flair. Das verschlafene Örtchen wird zum 12. Mal zum Multikulti-Metropolis. Hier ist nichts tierisch ernst. Hier feiert eine entpolitisierte Folk-Gemeinde sich selbst. Etwa 100 Bands beschallen die Weltmusikfans. Die Schwerpunkte setzen die Polen, unter anderem mit der Cracow Klezmer Band, und das Ruhrgebiet mit S.O.G. und Stoppok. Highlights und Geheimtipps gibt es viele - zum Beispiel den heutigen Auftritt von Yann Tiersen auf der Heidecksburg, am Vorabend seines eigentlichen Beginns. Der Schöpfer des Soundtracks von "Die fabelhafte Welt der Amélie" kommt mit zehnköpfiger Kapelle und seiner gefeierten Platte "L'Absente". Musik, die ähnlich verzaubert wie der überall gefeierte Film.

Martin Pfister