Badische Zeitung

25 07 2003

GERMANIA (GER)

 

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Die sizilianische Gruppe Al Qantarrah eroberte mit einem sympathischen Auftritt die Herzen des Publikums

Das Klangbild der Gruppe ist aber eindeutig italienisch, dafür sorgt schon Sänger Roberto Bolleli.

 

 

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Sizilianische und armenische Meistermusiker im Lörracher Rosenfelspark

 

Es lohnt sich immer, mit dem Publikum zu sprechen. Ein Künstler kann so virtuos sein wie er will, ohne Kontaktaufnahme mit den Zuschauern bleibt oft eine Barriere, Deutlich zu spüren war dies am Mittwochabend beim ersten Rosenfelspark-Konzert des diesjährigen Lörracher Stimmen-Festivals. Die sizilianische Gruppe Al Qantarrah eroberte mit einem sympathischen Auftritt die Herzen des Publikums, während das ungleich kunstfertigere Ensemble "Maitres de Musique d'Armenie" eher stille Bewunderung erntete.

Al Qantarrah ist eine fünfköpfige Gruppe aus Sizilien. Der Name bedeutet auf Arabisch "die Brücke" und soll an die multikulturelle Vergangenheit der Insel erinnern. Denn im Lauf der Jahrhunderte wurde Sizilien von Griechen, Römem, Arabern, Normannen, Franzosen und Spaniern beherrscht. Besonders gern erinnert die Gruppe an die Regierungszeit des Staufers Friedrich II. (1220-1250). "Frederick", so nennen ihn die Sizilianer, "hat an seinem Hof wirklich den Austausch von Künstlern unterschiedlicher Einflüsse gefördert", betont der Musiker Fabio Accurso.

Dasselbe versucht auch Al Qantarrah auf der Bühne, etwa indem ausführlich Herkunft und Funktion der einzelnen Instrumente vorgestellt werden: vom mediterranen Tamburin über die türkische Laute Oud, bis zur Sinfonia-Orgel, dem Vorgänger der Drehleier. Das Klangbild der Gruppe ist aber eindeutig italienisch, dafür sorgt schon Sänger Roberto Bolleli. Außerdem haben die fünf als zweiten Schwerpunkt viele traditionelle sizilianische Folkstücke im Programm, etwa die im Dialekt gehaltene Tanzaufforderung "Abballati, Abballati".

Den zweiten Teil des Abends bestritten die "Maitres de Musiques d'Armenie", die aus fünf virtuosen Instrumentalisten und der brillanten Mezzosopranistin Anna Mailian bestehen. Eine Formation, die man instinktiv mit dem gehobenen Titel "Ensemble" bezeichnet. Die Musiker einheitlich in silbernem Hemd und schwarzen Hosen, die Sängerin in abendkleidartiger Robe. Wenn sie nicht singt setzt sie sich dezent. Wunderbare, perfekt vorgetragene Musik, eine stimmige Mischung aus Tradition und Klassik, aber alles etwas steif und leider völlig unkommentiert.

Mit Duduk, Flöte, Laute wurden die Sharakans begleitet Dabei wagen die armenischen Meistermusiker etwas gänzlich Neues. Die sonst unbegleitet gesungenen Sharakans, die geistlichen Lieder Armeniens, präsentieren sie in aufwändigen Arrangements mit Geige, dem typischen Blasinstrument Duduk, Flöte, Laute und Percussion. Geiger Grigor Arakelian hat als Arrangeur und Komponist hier ein eindrucksvolles Werk vollbracht, das etwas mehr Begeisterung des Publikums verdient gehabt hätte.

Christian Rath